Die Transferfrist ist um, wir läuten die zweite Runde der Neuvorstellungen der Sommertransfers ein. Die Bundesligisten haben in den letzten beiden Wochen des Transferfensters nochmal ganz ordentlich zugeschlagen.
Wir starten beim Champions League Teilnehmer Werder Bremen. Die haben einen Teil der Özil-Millionen gleich wieder reinvestiert. Für 7,5 Millionen kommt der Brasilianer Wesley Lopes Beltrame, kurz Wesley vom FC Santos. Der 23jährige ist ein technisch extrem versierter Mittelfeld-Allrounder, für einen klassischen Zehner allerdings zu ungefährlich (in zwei Profijahren bisher nur 3 Tore und 3 Vorlagen). Als Alternative zu den körperbetonten Frings, Borowski und Arnautovic passt er aber, z.B. auf den Halbpositionen in der Raute, wunderbar.
„Es war mein Lebenstraum in einer sehr starken Liga bei einem Topklub zu spielen. Ich bin überglücklich, dass das jetzt mit Werder Bremen geklappt hat. Ich freue mich auf die Stadt, möchte so schnell wie möglich zur Mannschaft stoßen und die Fans glücklich machen“, so der Neu-Bremer.
Leider muss man sich mit all der Euphorie aber etwas zurückhalten, die Bremer haben schließlich mit teuren brasilianischen Heilsbringern nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Mal klappts (Diego), mal nicht (Carlos Alberto).
Hier ein paar Impressionen…
Skurrile Geschichte: der Wechsel zog sich über mehrere Wochen hin, da die Transferrechte über diverse Parteien (Verein, Ex-Verein, Investorengruppe, Berater, Spieler) verstreut lagerten. Das scheint im südamerikanischen Fußball heute keine Seltenheit zu sein, verkompliziert den Fußballalltag aber um einiges und macht Transfers z.B. nach Europa bedeutend schwerer (vielleicht ist auch genau das die Intention). Zwischendurch machte es den Anschein als würde Werder entnervt aufgeben, ab einer bestimmten Summe klappt dann aber bekanntlich plötzlich doch alles.
Manager Klaus Allofs: „Wir haben viel Geduld aufbringen müssen und sind jetzt dafür belohnt worden. Mit Wesley verstärkt uns ein sehr vielseitiger, dynamischer Spieler, der im Mittelfeld auf allen Positionen eingesetzt werden kann“
Nach der Betrachtung der Neuzugänge der Bundesligisten liste ich nun mal eine persönliche Auswahl der zahlreichen Abgänge auf.
Vorab noch ein Blick in die Statistik: die Bundesliga steht im internationalen Vergleich in diesem Jahr mit Transfereinnahmen von bisher 98,2 Millionen und 95,1 Millionen als Transferausgaben auf Rang vier hinter Premier League (304 und 96 Mio.), Primera Division (220 und 213 Mio.) und Serie A (210 und 204 Mio.).
So, los gehts mit den wohl spektakulärsten Transfers des Sommers. Drei deutsche Nationalspieler zieht es für beachtliche Ablösesummen in die weite Welt. Die europäische Fußballbühne winkt, die Chance zum internationalen Durchbruch bei europäischen Topklubs lockt. Ich trau es ihnen zu.
### Sami Khedira wechselt zu Real Madrid, der 23-jährige Stuttgarter kostet ca. 14 Millionen, Real hats ja, die Chance auf einen Stammplatz im zentralen Mittelfeld neben Xabi Alonso scheint durchaus realistisch, Trainer Jose Mourinho hat jedenfalls sehr auf den Transfer gedrängt, das ZDF widmet sich dem Transfer in einem ausführlicherem Bericht
### Madrid Nummer 2, nach tagelangem Ringen verkündeten die Königlichen nun auch die Verpflichtung von Mesut Özil, nach zweieinhalb erfolgreichen Jahren in Bremen und einer tollen WM im Sommer war er für Werder nicht mehr zu halten, zumal sein Vertrag nur noch bis zum Sommer 2011 lief, die Eckdaten des Transfers: 15 Mio. Ablöse, 6-Jahresvertrag, 5 Mio. Jahresgehalt, Wahnsinn
### Manchester City bedient sich wieder in Hamurg, nach Nigel de Jong (18 Mio. Ablöse) und Vincent Kompany (8,5 Mio.) vor zwei Jahren holen sie jetzt Defensiv-Allrounder Jérôme Boateng für 12,5 Mio. auf die Insel, der HSV bedankt sich für die Millionen, einen Ersatz hat man in Heiko Westermann gefunden, der für 7,5 Mio. vom FC Schalke kommt
### dort verabschiedet sich Kevin Kuranyi, der 28-jährige wagt beim russischen Erstligisten Dinamo Moskau einen Neuanfang, den FC Schalke verlässt er nach fünf Jahren (mit 162 Spielen und 71 Toren) ablösefrei, auch seine langjährigen Kollegen Marcelo Bordon (ablösefrei nach Katar zu Al-Rayyan) und Rafinha (für 9 Mio. zum FC Genua in die Serie A) wechseln
### nach nur einem Jahr, 16 Spielen und 6 Toren in Wolfsburg, verlässt der Nigerianer Obafemi Martins die Bundesliga Richtung Russland, Rubin Kazan legt dem VfL dafür 9 Mio. auf den Tisch
### zwei Spieler aus der Rubrik “Die Gescheiterten”: Maicosuel konnte sich bei 1899 Hoffenheim (immerhin mit 27 Spielen und 3 Toren) nicht durchsetzen, er kehrt für 4 Mio. nach Brasilien zu Botafogo zurück; der VfL Wolfsburg gibt den brasilianischen Innenverteidiger Rever nach einem halben Jahr und nur einem einzigen Einsatz an Atlético Mineiro ab
### schmerzhaft für den FSV Mainz 05, Stürmer Aristide Bancé (62 Spiele, 24 Tore und 5 Vorlagen in zwei Jahren) geht nach Dubai zu Al-Ahli, immerhin bringt er 4 Mio. EUR Ablöse ein
### ein paar ligainterne Leihgeschäfte gibts wie in jedem Jahr auch wieder: der HSV schickt Marcus Berg nach Eindhoven (eine Million EUR als Leihgebühr gibts obendrauf), Mehmet Ekici vom FC Bayern darf in Nürnberg so langsam Bundesligaluft schnuppern, ebenso wie Jens Hegeler von Bayer Leverkusen und Julian Schieber aus Stuttgart, der FC Schalke gibt Lewis Holtby nach Mainz, Carlos Zambrano zu St.Pauli und Jan Morávek nach Kaiserslautern, für alle drei bestehen berechtigte Stammplatz-Chancen, Bremens Peter Niemeyer geht zu Hertha BSC in die zweite Liga, Franco Zuculini von 1899 Hoffenheim soll sich beim FC Genua in Italien im Profifußball Fuß fassen
### und ein Kuriosum zum Schluss: ganze neun Torhüter verlassen ihre Klubs, Michael Rensing (FC Bayern, Vertrag läuft aus, noch kein neuer Klub), Marc Ziegler (als zweiter Mann von Dortmund in die Stuttgarter Heimat), Jens Lehmann (VfB Stuttgart, beendet seine Karriere), Jaroslav Drobný (ablösefrei vom Absteiger Hertha BSC zum HSV, macht dort Frank Rost mächtig Druck), Dimo Wache (langjährige Nummer 1 in Mainz beendet seine Karriere), Markus Pröll (verlässt Eintracht Frankfurt, nachdem Trainer Skibbe weiterhin dauerhaft auf Oka Nikolov als Stammtorhüter vertraut), Timo Hildebrand (der ehemalige Nationalspieler verlässt Hoffenheim nach einer durchwachsenen Saison, bisher noch ohne neuen Verein), Thomas Kessler (Kölns Nummer 2 versucht sich bei Aufsteiger FC St.Pauli), Uwe Gospodarek (Hannover 96, Karriereende)
Mario Mandzukic, nach Simon Kjaer der zweite junge, talentierte und ziemlich teure Neuzugang des VfL Wolfsburg im Sommer 2010.
7 Mio. EUR überweisen die Wölfe als Ablöse für den 24-jährigen an den kroatischen Serienmeister Dinamo Zagreb. In den vergangenen drei Jahren wurde Mandzukic seiner Stürmerrolle dort durchaus gerecht, er erzielte in 110 Spielen beachtliche 52 Tore. Auch seine Nationalmannschaftskarriere kann sich mit 20 Junioreneinsätzen für Kroatien und fünf Toren, sowie 13 A-Länderspielen und einem Tor (bei namhafter Konkurrenz: Olic, Klasnic, Petric, Eduardo) schon sehen lassen.
“Wir sind froh, dass wir Mario Mandzukic verpflichten konnten und sind überzeugt, dass er uns mit seiner Power in der Offensive unterstützen wird. Er ist sehr laufstark und wir haben in unserem Spiel nach vorne nun mehrere Möglichkeiten. Zudem ist es natürlich von Vorteil, dass er gut deutsch spricht”, so Dieter Hoeneß, Vorsitzender der Geschäftsführung des VfL Wolfsburg.
Cheftrainer Steve McClaren ergänzte: “In unserem System ist es wichtig, dass die Stürmer flexibel sind. Und es ist wichtig, dass er Tore schießen kann. Ich habe Mandzukic schon lange im Visier und bin glücklich, dass er nun bei uns ist.”
Nach dem Abgang von Obafemi Martins sicherlich ein guter, variabler Ersatz im Sturmzentrum sowie auf den Außenbahnen. Ich traue ihm den Durchbruch in der Bundesliga grundsätzlich durchaus zu. Der VfL gibt ihm dafür ein bisschen Zeit, Hoeneß hat Mandzukic ganz bewusst mit einen Vierjahresvertrag ausgestattet.
Borussia Mönchengladbach musste sich nach den Abgängen von Rob Friend, Oliver Neuville und Roberto Colautti zwingend nach geeignetem neuem Personal für die Sturmreihe umsehen.
Die Wahl fiel (neben Stoßstürmer Mohamadou Idrissou vom SC Freiburg) auf Offensiv-Allrounder Igor de Camargo von Standard Lüttich. Der 27-jährige gebürtige Brasilianer mit belgischem Pass (spielt seit 2009 auch für die belgische A-Nationalmannschaft) war der Borussia immerhin 4 Millionen Euro Ablöse wert, er erhält einen Vierjahresvertrag.
Gladbachs Sportdirektor Max Eberl: “Igor de Camargo war bei Standard Lüttich Mannschaftskapitän und einer der wichtigsten Spieler. Er ist ein Mann mit internationaler Erfahrung, der auf und neben dem Platz Verantwortung übernimmt, und ich freue mich, dass er sich für uns entschieden hat”.
In vier Jahren absolvierte er in Lüttich 116 Ligaspiele, erzielte 33 Tore und gab 21 Vorlagen. 2008 und 2009 führte er das Team als Kapitän zum belgischen Meistertitel, in der Saison 2009/10 außerdem durch die Champions League Gruppenphase und ins Europa League Viertelfinale (Standard scheiterte dort mit 1:2 und 1:3 am Hamburger SV).
Borussia.de beschreibt ihn als “als Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff, [er] ist auch auf den Flügeln einsetzbar, beidfüßig, verfügt über eine gute Technik und schafft durch seine Spielweise Platz für seine Mitspieler.”
Hier ein kurzes Willkommensvideo, die Gladbacher freuen sich zurecht ![]()
Der Start in Mönchengladbach verlief leider etwas holprig. Aufgrund eines Eingriffs am Sprungelenk verpasste de Carmago das Trainingslager in Österreich. Alles gut verlaufen, er steigt nun verspätet in die Saisonvorbereitung ein, der erste Spieltag am 21. August gegen Nürnberg kommt für ihn aber wohl zu früh.
Nach Jens Lehmann 2008, Sami Hyypiä 2009, Ruud van Nistelrooy im vergangenen Winter und aktuell Michael Ballack, wählt nun ein weiterer internationaler Star die Bundesliga als letzte große Karrierestation…
Trainer + Manager + Vorstand des FC Schalke 04 Felix Magath hat es mal wieder geschafft, gestern wurde es offiziell verkündet, Raul Gonzalez Blanco, genannt Raul, unterschreibt einen Zweijahresvertrag bei den Königsblauen. Wow!
„Er ist ein absoluter Gewinn für die Mannschaft, zu dem gerade unsere vielen jungen Spieler aufschauen können“, so Magath. „Deshalb bin ich stolz, dass Schalke einen so renommierten Profi vorstellen kann. Raul ist einer der besten Spieler der Welt. Auf ihn können sich die Fans freuen.“
Eine ausführliche Vorstellung des 33-jährigen kann man sich im Prinzip sparen. Der Mann hat auf Vereinsebene in 16 Jahren bei Real Madrid einfach alles erreicht.
Seine Vita: 550 Ligaspiele, 228 Tore, 102 Länderspiele, sechs mal spanischer Meister, drei mal Champions League Sieger, zwei mal Weltpokalsieger, Rekordtorschütze der Champions League (bisher 66 Treffer) und der spanischen Nationalmannschaft (44 Treffer), fünf mal Spaniens Fußballer des Jahres, je zwei mal Torschützenkönig der Primera Division und der Champions League, ein mal Welttorjäger
Bilder von der gestrigen Präsentation in der Veltins-Arena…
Warum der Wechsel?
Schalke brauchte nach dem Abgang von Kevin Kuranyi (ging ablösefrei zu Dynamo Moskau) dringend einen Mittelstürmer, der das Potenzial für 10 bis 20 Tore hat (wird oft verkannt: Kuranyi erzielte in fünf Jahren Schalke im Schnitt 14 Ligatore pro Saison), schließlich spielen die Knappen in der kommenden Saison mal wieder in der Champions League. Das bisherige Personal jagt international keinem Gegner einen Schrecken ein: Farfan, Jendrisek (aus Kaiserslautern gekommen), Edu und Gavranovic (im Winter von Yverdon Sport aus der Schweiz geholt). Ein richtiger Vollstrecker fehlte bisher.
Magath kündigte jedoch bereits an: „Wir sind noch auf der Suche nach weiteren Verstärkungen, denn Raul benötigt für sein Spiel natürlich auch die richtigen Helfer. An Spekulationen um Namen beteilige ich mich nicht. Ich kann nur eines verraten: Ein Stürmer steht ganz oben auf unserer Wunschliste. Zudem bemühen wir uns um einen Mittelfeldspieler und einen Verteidiger.“
Und warum eigentlich gerade Raul? weiterlesen »
Der 21-jährige Innenverteidiger Simon Kjaer kommt für 12 Millionen von US Palermo zum VfL Wolfsburg.
Mit zwei überzeugenden WM-Spielen für Dänemark in Südafrika spielte er sich im vergangenen Juni ins Blickfeld der breiten internationalen Öffentlichkeit (insgesamt durfte er sein Land bisher bei 14 Jugend- und 9 A-Länderspielen vertreten). Dem aufmerksamen Fußballfachmann dürfte der Name aber auch vorher schonmal untergekommen sein. Kjaer gilt bereits seit längerem als große dänische Defensivhoffnung, 2009 gabs die Bestätigung als Talent des Jahres.
Spielpraxis hat er in den vergangenen zwei Jahren in der italienischen Serie A ganz ordentlich gesammelt. Stammspieler in Palermo, 62 Spiele, 5 Tore, 2 Vorlagen… in dem Alter mehr als beachtlich.
In Wolfsburg soll er nun zusammen mit Nationalspieler Arne Friedrich (kam für 2 Mio. von Absteiger Hertha BSC) ein festes, stabiles, dauerhaftes Innenverteidigerpaar bilden. Die 58 Gegentreffer der vergangenen Saison zeigen die Dringlichkeit auf. Selbst der Tabellenletzte Berlin kassierte weniger Buden (56).
Kjaer selbst will mit den Wölfen noch hoch hinaus: “Der Wechsel ist für mich eine Chance, bei einem Spitzenclub zu spielen. Ich glaube, dass dies für mich jetzt der richtige Schritt ist. Wir haben eine starke Mannschaft, die in der Bundesliga oben mitspielen kann. Ich möchte mir hier einen Stammplatz sichern”.
Videomaterial gibts nicht allzu viel, seine 5 Palermo-Tore sind aber durchaus ansehnlich…
Wir sehen gefühlvolle Heber ebenso wie wuchtige Kopfbälle, vor allem fällt aber auf: bei Standardsituationen ist der Typ mit seinen knapp 1,90m immer brandgefährlich.
Fazit: ein guter Fang, wenn auch vielleicht ein bisschen zu teuer, aber da hat der VfL meiner Meinung nach seit Jahren ein Problem (Ziani für 7 Mio, Rever für 5 Mio, Barzagli für 14 Mio, Zaccardo für 7 Mio… jedes Mal weit über dem tatsächlichen Marktwert bezahlt), oder eher keins, denn mit VW im Rücken scheinen solche Summen ja dann doch wieder jedes Jahr aufrufbar zu sein.
Werder Bremens neue Sturmhoffnung heißt Marko Arnautovic, 21 Jahre, Österreicher. Thomas Schaaf und Klaus Allofs haben erneut ordentlich ins Geldsäckel gegriffen, 6.2 Millionen Euro gingen an den niederländischen Meister Twente Enschede, für einen in Deutschland völlig unbekannten Spieler, mutig mutig.
Von den fußballerischen Anlagen und der Spielweise wird Arnautovic des öfteren mit Zlatan Ibrahimovic verglichen (“Der Zlatan-Klon” Spox.com). Er ist 1,92 m groß, kopfballstark, beidfüßig, technisch äußerst versiert, auch eine gewisse Arroganz soll er sich von seinem Vorbild abgeschaut haben.
Mit 17 Jahren kehrte er der Wiener Heimat den Rücken und versuchte sich in der niederländischen Eredivisie beim FC Twente Enschede. Dort wurde er behutsam an die erste Elf herangeführt, in drei Spielzeiten kam er auf 44 Erstligaspiele und 12 -tore. Es folgte ein eher unglückliches Kapitel als Leihspieler beim italienischen Serienmeister Inter Mailand in der Saison 2009/2010. Verletzungen und die große Konkurrenz gestatteten ihm nur wenig Einsatzzeiten. Den Wechsel in die Serie A sieht er daher heute als Fehler was seine fußballerische Entwicklung betrifft.
Werder Bremen glaubt an den Jungen. Prominente Unterstützung erhält man von allen Seiten. Andreas Herzog (der heimliche Bremer Tippgeber bei diesem Transfer) meint: „Es gab einen Krankl, einen Herzog, einen Polster, einen Prohaska, aber Arnautovic stellt sie alle in den Schatten, wenn er sein Potenzial abruft. Das ist mit Abstand der beste Fußballer, der in den letzten 30 Jahre auf dem Fußball-Platz herumgelaufen ist.“
Bei Werder erwartet ihn ein ruhiges Umfeld, Thomas Schaaf traue ich bei der Entwicklung junger Spieler grundsätzlich sowieso erstmal alles zu. Die jüngere Vergangenheit hat allerdings auch gezeigt, dass in Bremen eben nicht jeder Spielertyp zurecht kommt und den Durchbruch schafft (Carlos Alberto, Marcelo Moreno, Markus Rosenberg, Mohamed Zidan).
Unsere halbjährliche Betrachtung der Sommer- und Wintertransfers der Bundesliga beginnen wir diesmal mit einem von Borussia Dortmund lang ersehnten Neuzugang: Robert Lewandowski kommt für 4,5 Millionen Euro von Lech Posen.
Der BVB war bereits vor einem Jahr an dem Polen interessiert, damals konnten sich die Vereine jedoch nicht einigen. Die Verhandlungen gestalteten sich auch diesmal äußerst schwierig, die internationale Konkurrenz war groß (angeblich lagen deutlich höher dotierte Angebote von den Blackburn Rovers und dem FC Genua vor), der Spieler soll sich aber frühzeitig auf Dortmund und die Bundesliga als nächsten Karriereschritt festgelegt haben. Am Ende hats nun doch endlich geklappt, am 11. Juni wurde Vollzug gemeldet, Lewandowski unterschrieb einen Vierjahresvertrag.
Die Einschätzung des BVB-Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke: “Es war der schwierigste Transfer, den wir je auf die Beine gestellt haben, weil die Parteien miteinander verkeilt waren. Aber wir haben den Knoten lösen können.”
Glaubt man der bisherigen Karrierestatistik des Stürmers, dann könnte Dortmund (nach Lucas Barrios im Vorjahr) erneut einen ganz großen Fang gemacht haben. Der Junge ist gerade einmal 21 Jahre alt, in den vergangenen vier Jahren ballerte er sich satte drei mal zum Torschützenkönig (2007 – dritte polnische Liga, 2008 – zweite Liga, 2010 – erste Liga + Spieler des Jahres). In 117 Ligaspielen erzielte er insgesamt 68 Tore, obendrauf finden sich auch schon 23 Länderspiele in der Leistungsbilanz.
Er gilt als beidfüßig, kopfballstark, robust, eiskalt vor dem Tor, technisch beschlagen… Spox.com betitelt ihn als “polnischen Torres”… wenn das keine Vorschusslorbeeren sind, dann weiß ich auch nicht.
Bleibt nun noch abzuwarten wie er sich in der Bundesliga zurechtfindet. Bei der Borussia wirds ihm vergleichsweise leicht gemacht, denn mit Jakub Blaszczykowski und Lukasz Piszczek (ebenfalls ein BVB-Neuzugang, 25 Jahre, rechte Außenbahn, ablösefrei von Hertha BSC) greifen ihm zwei Landsleute bei der Eingewöhnung mit Sicherheit gern unter die Arme.
So, und nun ein paar Videoimpressionen…
Passt meiner Meinung nach im Sturmzentrum der Borussia perfekt zu Lucas Barrios. Aber genau das ist das Problem… Trainer Jürgen Klopp wird nicht gern von seinem erfolgreichen 4-2-3-1 System der Vorsaison abrücken wollen, Lewandowski müsste also als hängende Spitze hinter Barrios spielen. Ob darunter evtl. die Torgefahr des Neuzugangs leidet… oder ob Klopp doch umstellt… er wird Lewandowski jedenfalls nicht für die Bank verpflichtet haben.
Mein Fazit: ein Top-Neuzugang mit großem Potenzial für einen akzeptablen (wenn nicht gar günstigen) Preis, ein tolles Signal ist auch die langfristige Bindung des Spielers an den Verein
Das Winter-Tranferfenster 2010 schloss am gestrigen 1. Februar pünktlich um 12:00.
Nach unserem ersten Überblick hat sich bei unseren Bundesligisten in den letzten Tagen dann doch noch so einiges getan, auch abseits des großen HSV-van-Nistelrooy-Deals
Hier der zweite Teil als Auflistung…
### Transferkönig des Winters ist Felix Magath mit FC Schalke, 8 Zugänge, 5 Abgänge
Unter anderem verstärken sich die Königsblauen mit dem chinesischen Nationalspieler Hao Junmin (22 Jahre, Mittelfeld, ein klasse Dribbler, Vertrag bis 2011), dem Innenverteidiger Tore Reginiussen (23 Jahre, Norweger, 8 Länderspiele, ablösefrei von Tromsø IL) und dem schweizer Stürmer Mario Gavranovic (20 Jahre, U21-Nationalspieler, Vertrag bis 2013, kommt von Xamax Neuchatel, in der Hinrunde mit 8 Toren in 17 Erstligaspielen)
### der VfL Wolfsburg tauscht die Innenverteidiger, Ricardo Costa wechselt zum OSC Lille, dafür kommt der Brasilianer Rever (25 Jahre, 1.92 m, Vertrag bis 2014) für 5 Mio. Ablöse von Gremio FC Porto Alegre, VfL-Manager Dieter Hoeneß zum Wechsel: “Wir sind froh, dass wir Rever langfristig an uns binden können. Er ist ein sehr talentierter Spieler im besten Fußballer-Alter. Er ist robust, kopfballstark und zuverlässig. Ich bin überzeugt, dass er uns auf seiner Position schnell weiterhelfen wird”
### Werder Bremen leiht den Tunesier Aymen Abdennour (20 Jahre, Linksverteidiger, Kapitän der U21-Nationalmannschaft) zunächst für ein halbes Jahr von Etoile Sportive du Sahel aus, inklusive Kaufoption für 800.000 €; in den ersten drei Ligaspielen der Rückrunde bekam er auch gleich den Vorzug auf der linken Abwehrseite, leider war von Stabilisierung der Defensive aber nichts zu spüren, es hagelte drei Niederlagen und acht Gegentore und Abdennour wirkte äußerst unsicher und fehleranfällig
### mit dem 26-jährigen Offensiv-Allrounder Arouna Koné angelt sich Hannover 96 einen Top-Spieler (gemessen am aktuellen Tabellenstand
), der Ivorer (34 Länderspiele, 9 Tore) kommt vom FC Sevilla und bleibt zunächst bis zum Saisonende, seine Stärken: Zweikampfstärke und ein absoluter Torriecher => Top-10-Torparade
### auch der 1.FC Köln hantiert mit großen Namen, von Manchester United leiht man den Serben Zoran Tosic (22 Jahre, linkes offensives Mittelfeld) aus
### Eintracht Frankfurt sichert sich die Dienste des zuletzt vereinslosen US-amerikanischen Nationalspielers Ricardo Anthony Clark (26 Jahre, zentrales Mittelfeld, 27 Länderspiele, 181 MLS-Spiele)
### der 1. FSV Mainz 05 holt den früheren deutschen Nationalspieler Malik Fathi zurück in die Bundesliga, der 26-jährige Linksverteidiger kommt auf Leihbasis von Spartak Moskau
Alles in Allem eine durchschnittliche Anzahl an Transferaktivitäten. Die Menge an ligaweiten Leihgeschäften sticht heraus, ebenso wie die Strategie von Schalke-Trainer Felix Magath, der trotz des guten dritten Platz nach der Hinrunde auf allen Spielpositionen mächtig aufgerüstet hat.
Na also, doch noch ein Knaller für die Bundesliga!
Der Hamburger SV sichert sich die Dienste des 33jährigen Ruud van Nistelrooy. Er kommt nach der Auflösung seines bestehenden Vertrags ablösefrei von Real Madrid für eineinhalb Jahrean die Elbe.
Über den Niederländer braucht man auch kaum noch ein Wort zu verlieren, ein weltweit bekannter Topstürmer beehrt die Bundesliga mit einem Gastspiel.
Sein bisheriger Werdegang:
1993 – 1997 FC Den Bosch, 69 Spiele, 17 Tore
1997 – 1998 SC Heerenveen, 31 Spiele, 13 Tore
1998 – 2001 PSV Eindhoven, 67 Spiele, 62 Tore, zweimal Meister
2001 – 2006 Manchester United, 150 Spiele, 95 Tore, einmal Meister, einmal Pokalsieger
2006 – 2010 Real Madrid, 68 Spiele, 46 Tore, zweimal Meister
2010 – … Hamburger SV
64 Länderspiele, 33 Tore
Fußballer des Jahres in England 2002, Torschützenkönig der Eredivisie 1999 und 2000, Torschützenkönig der Premier League 2003, Torschützenkönig der Primera Division 2007, Torschützenkönig der Champions League 2002, 2003 und 2005, Welttorjäger 2002… Wahnsinn
Mit seinen 33 Jahren muss man allerdings davon ausgehen, dass van Nistelrooy seinen Zenit bereits überschritten hat. In den letzten Monaten kämpfte er auch häufiger mit Verletzungen als mit den gegnerischen Verteidigern auf dem Platz; in dieser Saison bestritt er nach einer Knieoperation erst ein einziges Ligaspiel, aktuell bremst ihn eine Wadenverletzung. Bei seinem Talent wird er aber sicher noch nicht alles verlernt haben und den HSV mit dem ein oder anderen Treffer beglücken.
Wir dürfen gespannt sein… auf Vaaaan-the-Maaaaan





