Hier also Teil 2 unseres Roundups der Transfermeldungen im Winter 2011…
### Patrick Helmes verlässt den Bundesligazweiten Bayer Leverkusen nach zweieinhalb mehr oder minder erfolgreichen Jahren (mit einer ganz stattlichen Torquote von 28 Treffern in 57 Spielen). Der 26-jährige wechselt für 8 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg, wo ihm ein Stammplatz und die Hoffnung auf eine Rückkehr in die Nationalelf winkt.
### Doch der Ex-Leverkusener ist bei den Wölfen nur einer unter vielen neuen Gesichtern, denn VfL-Manager Dieter Hoeneß hat das Team im Winter komplett umgekrempelt: neben Edin Dzeko verlassen den Klub noch Karim Ziani, Nassim Ben Khalifa, Vlad Munteanu und Andrea Barzagli. Dafür kommen Jan Polak (29, defensives Mittelfeld, für 3 Mio. vom RSC Anderlecht, sammelte bereits von 2005 bis 2007 in Nürnberg Bundesligaerfahrung), Tuncay Sanli (29, Offensiv-Allrounder, für 4,5 Mio. von Stoke City, bisher 78 Länderspiele für die Türkei, kam in der Premier League aber nicht zurecht, nur 20 Tore in 107 Spielen für Stoke und Middlesbrough), Ja-Cheoul Koo (21, zentrales Mittelfeld, für 2 Mio. aus Südkorea von Jeju United, 5 Tore in 6 Spielen beim Asiencup 2011) und Yohandry Orozco (offensives Mittelfeld, mit 19 Jahren schon venezuelanischer Nationalspieler, für 1,25 Mio. vom Zulia FC). Hoeneß erwartet vor allem von den beiden Talenten einiges, siehe Statement auf der Vereinswebsite. Und noch ein Lesetipp: Der VfLWolfsburgBlog analysiert das Transfergeschehen.
### Werder Bremen verstärkt sich mit dem brasilianischen Innenverteidiger Samuel Firmino de Jesus (24 Jahre, 1,90m, ablösefrei vom FC São Paulo). „Samuel ist ein junger, talentierter Spieler, der sowohl als Innenverteidiger, als auch auf den Außenpositionen einsetzbar ist. Wir sind gespannt, wie er sich in den nächsten Monaten bei uns entwickeln wird”, so Geschäftsführer Klaus Allofs. Er erhält vorerst nur einen Vertrag bis zum Sommer und wird sich bewähren müssen.
### Edson Braafheid wechselt ablösefrei vom FC Bayern zu 1899 Hoffenheim. Den ghanaischen Stürmer Prince Tagoe verleihen die Kraichgauer an Partizan Belgrad.
### Eintracht Frankfurt lässt Ümit Korkmaz (25, ausgeliehen an den VfL Bochum, mit Kaufoption), Cenk Tosun (19, Offensiv-Allrounder, für 550.000 Euro an Gaziantepspor) und Markus Steinhöfer (24, für 100.000 Euro Ablöse zum FC Basel) gehen, einziger Neuzugang ist Rückkehrer Nikola Petkovic (24, Links-Verteidiger, war ausgeliehen an den russischen Erstligisten Tom Tomsk). Blog-G ordnet die überschaubaren Frankfurter Transferaktivitäten ein.
### Der 1.FC Kaiserslautern holt den Tschechen Adam Hlousek (22, linkes Mittelfeld, von Slavia Prag) und den Brasilianer Lucas (19, Innenverteidiger, aus Leverkusen), jeweils auf Leihbasis mit Kaufoption.
Und nun zum Fazit: Insgesamt gaben die Bundesligisten rund 57 Millionen Euro für neuen Spieler aus. Dem stehen beeindruckende 75 Millionen Euro als Transfererlöse gegenüber, ein neuer Rekordwert, noch nie spülten Transfers im Winter mehr Geld in die Kassen der Klubs.
50 Spieler verließen ihre bisherigen Vereine, 48 neue Akteure kamen hinzu. Lediglich Tabellenführer Borussia Dortmund, Hannover 96 und der FC St.Pauli starten aus verschiedenen Gründen (Erfolg des bisherigen Kaders vs. Geldmangel) ohne Neuzugänge in die Rückrunde. Die Spitzenposition bei der Spieler-Rochade teilen sich der VfL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim mit jeweils sechs Zu- und Abgängen. Beide Klubs belegten im Winter solide Ränge im Mittelfeld der Bundesliga, wollen aber in der zweiten Saisonhälfte allem Anschein nach noch einmal oben angreifen und gehen dafür auch finanziell in die Vollen.
Auch aus ökonomischer Sicht siegen die Wolfsburger. Trotz Ausgaben in Höhe von knapp 20 Millionen Euro kommt man unter dem Strich noch auf ein sattes Plus von 17 Millionen, verantwortlich dafür ist der neue Rekordtransfer der Bundesliga von Stürmer Edin Dzeko, er wechselte im Winter für ca. 35 Mio. vom VfL zu Manchester City und ermöglichte somit eine gewisse Freiheit auf dem Transfermarkt, die Manager Dieter Hoeneß auch bereitwillig ausfüllte.
So weit, so gut. Sind wir mal gespannt wie sich die Transfers für die Vereine letztendlich auswirken, wer sich etablieren kann, wie viele Spieler im Sommer schon wieder weg sind, welche Ablösesummen sich im Nachhinein als gerechtfertigt herausstellen werden und ob sich der ein oder andere Klub nicht doch lieber um den ein oder anderen Neuzugang hätte bemühen sollen…
Und zum Abschluss verweise ich noch auf Arnd Zeiglers komödiantischen Blick auf die “wunderbare Welt der Wintertransfers”
So, die Transferliste ist nun seit gestern Abend 18:00 offiziell geschlossen. Wie in jedem Jahr haben die deutschen Klubs auch in den letzten Tagen und Stunden der Wechselperiode noch ordentlich mit ihrem Spielermaterial gehandelt.
Die ausführlichen Neuvorstellungen (Avdic, Fimino, Makino, Babel) und die zahlreichen Abschiede aus der Bundesliga haben wir bereits durchgesprochen, den ganzen Rest des durchaus umtriebigen Transferwinters 2011 gibt es hier aufgrund der schieren Masse an Meldungen nun als Rundumschlag in aller Kürze.
### Felix Magath bleibt seiner Linie treu, in jedem Winter wird gut durchgewechselt (im Vorjahr war er Transferkönig). Der slowakische Nationalspieler Erik Jendrisek verlässt den FC Schalke 04 nach einem enttäuschenden Halbjahr (mit gerade einmal drei Bundesligaeinsätzen) bereits wieder. Er kommt für 900.000 Euro zum SC Freiburg und soll dort neben Top-Torjäger Papiss Demba Cisse (bisher 15 Tore in 17 Spielen) in der Stammformation wirbeln. Für die linke Abwehrseite leihen die Königsblauen bis zum Saisonende den 21-jährigen Brasilianer Danilo Fernando Avelar vom ukrainischen Klub Karpaty Lviv aus. Viel gibts über den Spieler gar nicht zu erzählen, er kam erst im Frühjahr 2010 aus Brasilien, hat sich in Lviv aber bereits etabliert und konnte in dieser Saison auch in der Europa League schon auf sich aufmerksam machen, ein Bild von seiner Spielweise kann man sich in diesem 15-minütigen Best-of-Video machen. Er wird ein weiteres wenig riskantes Transferexperiment von Felix Magath sein. Wenn es funktioniert, dann wird er wohl im Sommer nach Zahlung einer angemessenen Summe bleiben; wenn nicht, dann ist er so schnell wieder weg wie er gekommen ist.
### Kurz vor Schluss vermeldeten die Königsblauen dann noch den Abschluss vier weiterer zentraler Wechsel: Ivan Rakitic verlässt den Klub (der 22-jährige geht für 2,5 Mio. zum FC Sevilla), dafür kommen Angelos Charisteas (30, vormals bei Werder Bremen und dem 1.FC Nürnberg, zuletzt vereinslos), Ali Karimi (32, ablösefrei von Azin Steel Teheran, spielte von 2005 bis 2007 beim FC Bayern) und Anthony Annan (24, zentrales Mittelfeld, ghanaischer Nationalspieler, WM-Teilnehmer 2010, für 2,5 Mio. von Rosenborg BK). Eine kurze Einschätzung der Transferaktivitäten der Königsblauen gibts beim Bloggerkollegen Matthias auf Schalkefan.de
### Die Japan-Welle nimmt kein Ende, Bayer Leverkusen holt den 24-jährigen defensiven Mittelfeldspieler Hajime Hosogai ablösefrei von den Urawa Red Diamonds und verleiht ihn bis zum Sommer 2012 zwecks Eingewöhnung an den Zweitligisten FC Augsburg. Bis Ende Januar weilte er noch mit der japanischen Nationalmannschaft beim Asien-Cup in Katar.
### Auch der stark abstiegsbedrohte VfB Stuttgart hat sich im fernen Osten umgesehen. Als Offensiv-Allrounder kommt Shinji Okazaki (24, ablösefrei von Shimizu S-Pulse, Video-Vorstellung). Der spielte ebenfalls für sein Heimatland beim Asiencup, erzielte in sechs Spielen drei Treffer (insgesamt lief er bisher 41 mal fürs Nationalteam auf, schoss 21 Tore). Zusätzlich leiht man Mittelfeldspieler Tamas Hajnal (29) bis zum Saisonende von Borussia Dortmund aus. Im Falle des Klassenerhalts bleibt der Ungar, ansonsten kehrt er zunächst zum BVB zurück.
### Der 1.FC Köln hat sich auf den ehemaligen Bayern-Torwart Michael Rensing (26, zuletzt vereinslos) als neue Nummer Eins festgelegt und außerdem Linksverteidiger Christian Eichner (28, für 100.000 Euro Ablöse von 1899 Hoffenheim) und den 25-jährigen polnischen Nationalspieler Slawomir Peszko (rechter Mittelfeldspieler, für 500.000 Euro von Lech Pozen, hier ein paar Spielszenen) an den Rhein gelotst. Auf die Dienste des nigerianischen Stürmers Manasseh Ishiaku verzichtet man zukünftig. Der 28-jährige wird an den belgischen Erstligisten VV St.Truiden verliehen.
### Tabellenschlusslicht Borussia Mönchengladbach verstärkt sich zur Rückrunde recht namhaft mit Mike Hanke (27, Stürmer, ablösefrei von Hannover 96), Håvard Nordtveit (20, Defensiv-Allrounder, ablösefrei vom FC Arsenal, norwegischer Juniorennationalspieler, kennt die Bundesliga bereits aus seinem Jahr 2009/10 beim 1.FC Nürnberg), Martin Stranzl (30, Innenverteidiger, für 800.000 Euro von Spartak Moskau, früher bei 1860 München und dem VfB Stuttgart) und Michael Fink (29, defensives Mittelfeld, bis 2009 in Frankfurt, jetzt für 700.000 Euro ausgeliehen von Besiktas Istanbul, inklusive Kaufoption). Dagegen verlassen den Verein Raul Bobadilla und Michael Bradley (23, zentrales Mittelfeld, ausgeliehen an den Premier League Klub Aston Villa).
### Der 1.FC Nürnberg sichert sich die Dienste des 29-jährigen Torhüters Timo Ochs. Er spielte bisher in Hannover, Osnabrück, bei 1860 München (2004 bis 2006), Red Bull Salzburg (2006 bis 2009) und Hertha BSC (2009/10), stand seit vergangenem Sommer aber ohne Verein da und soll nun als erfahrener Ersatzmann den Stammtorhüter Raphael Schäfer absichern.
Der Übersichtlichkeit halber teile ich den Beitrag an dieser Stelle. Weiter geht es hier…
Ein paar Neuzugänge des Transferfensters im Winter 2011 gilt es noch zu beleuchten. Ganz oben auf meiner Liste steht Ryan Babel, Flügelstürmer, niederländischer Nationalspieler, kommt für 7 Millionen Euro Ablöse vom FC Liverpool zu 1899 Hoffenheim, “Wunschsspieler für die Offensive” von Neu-Trainer Marco Pezzaiuoli. In der Angriffsreihe bestand nach dem unrühmlichen Abgang von Demba Ba durchaus Handlungsbedarf. Gemeinsam mit Boris Vukcevic, Peniel Mlapa und Chinedu Obasi soll Babel nun die Außen beackern und allen voran Mittelstürmer Vedad Ibisevic mit Flanken füttern.
Für sein Alter von 24 Jahren kommt er mit einer beeindruckenden internationalen Erfahrung daher. Bis 2007 spielte er 73 mal für seinen Heimatklub Ajax Amsterdam, seitdem mit Liverpool 91 mal in der Premier League, 32 mal Champions League und 18 mal Europa League, obendrauf kommen noch 26 Junioren- und 40 A-Länderspiele für die Niederlande. Nicht schlecht, kann kaum ein Spieler seiner Altersgruppe vorweisen.
Seine Torausbeute lässt einen dagegen auf den ersten Blick stutzen (in Amsterdam nur 14, in Liverpool 12 und in der Nationalelf 5 Treffer, bei der Anzahl an Spielen sollte für einen Stürmer eigentlich mehr drin sein), wurde ihm gegen Ende seiner Zeit in England auch durchaus vorgeworfen, seine spielerischen Qualitäten liegen aber eben woanders und dürften dem Hoffenheimer Spiel sehr zugute kommen. Babel gilt als pfeilschnell, technisch äußerst beschlagen, durchsetzungsstark, ein idealer Konterspieler. Er wurde als klassischer niederländischer Außenstürmer im Stil von Robben, Kuyt, van Persie, Elia und Co. ausgebildet und das merkt man ihm auch an. Aber wenn man ehrlich ist… den ganz großen Durchbruch hat er in dreieinhalb Jahren an der Seite von Fernando Torres und Steven Gerrard nicht geschafft. In Liverpool trauern ihm nur wenige hinterher.
Mein Fazit lautet aber dennoch: Babel ist ein erstklassiger Neuzugang für die Hoffenheimer, er hat internationales Format, die Ablösesumme hielt sich in Grenzen, es ist mächtig Potenzial vorhanden. Ich glaube das funktioniert in Hoffenheim, denn das ist genau sein Spiel.
Noch ein Kuriosum am Rande: Babel ist einer der wenigen Fußballprofis, die aktiv selber twittern (@RyanBabel). Die lockere Art und Weise, in der er da auch seinen sportlichen Alltag kommentierte, führten Anfang des Jahres allerdings dazu, dass sein bereits angekratztes Image in England weiter litt und sich ein Abschied deutlich anbahnte. Nach einer Niederlage seines FC Liverpool gegen Manchester United im FA-Cup äußerte er sich z.B. abfällig über Schiedsrichter Howard Webb und photoshoppte ihn ins ManU-Trikot. Von der FA flatterte daraufhin eine saftige Geldstrafe ins Haus. Bin gespannt, ob er sich die offenherzige Kommunikation auch in der Bundesliga beibehält
Er hat wieder zugeschlagen, Tim Wiese der Kung-Fu-Kicker
Vor zwei Jahren erwischte der Bremer Torwart den damaligen Hamburger Ivica Olic in Schulterhöhe mit den Stollen (dafür sah er kurioserweise nur Gelb), beim heutigen Heimspiel gegen den FC Bayern nietete er nun Gegenspieler Thomas Müller in ähnlich spektakulärer Art und Weise um…
Wiese erhielt folgerichtig die rote Karte und schlich vom Platz, für den SV Werder war das Spiel in der 88. Minute beim Stand von 1:3 sowieso gelaufen. Tja, das Gegentor hat er damals wie heute zwar verhindert, einen Strafstoß gab es dank des exzellenten Timings der Notbremse auch nicht (den Gegenspieler holte er sich jeweils außerhalb des Strafraums), das effektive Herauslaufen ohne anschließenden Platzverweis scheint ihm aber in seiner Karriere keiner mehr beibringen zu können
*** Update vom 31.01.2011 ***
Das Sportgericht des DFB verhängte für das Foul heute eine Sperre von drei Spielen gegen Wiese.
Na endlich reinvestiert der VfL Wolfsburg mal seine Dzeko-Millionen. Grafite und Mario Mandžukić bekommen im Sturmzentrum ab sofort den Kongolesen Dieumerci Mbokani Bezua an die Seite gestellt.
Er ist 25 Jahre alt, in Kinshasa geboren, 1,85 m groß, klassischer Mittelstürmer und kommt auf Leihbasis (inkl. Kaufoption) vom französischen Tabellenvorletzten AS Monaco. Dort besitzt Mbokani zwar noch einen laufenden Vertrag bis 2014, in den vergangenen Wochen forcierte er jedoch einen Wechsel, da er sich im Umfeld des Klubs nicht zurechtfand, mit Sicherheit hat er sich im vergangenen Sommer da auch eine andere Perspektive als den Abstiegskampf versprochen. In den Vorjahren hatte er sich im europäischen Fußball jedenfalls bereits prächtig eingelebt, mit Standard Lüttich wurde er von 2007 bis 2009 in Serie dreimal belgischer Meister und Supercupsieger, schoss in 81 Ligaspielen 35 Tore.
Manager Dieter Hoeneß: „Er ist ein schneller und athletischer Stürmer, den wir schon seit seiner Zeit bei Standard Lüttich im Blick haben. Wir haben ihn ausgeliehen und eine Kaufoption gesichert, um alle Möglichkeiten in der Hand zu haben.“
Ein paar Impressionen seiner Spielweise…
Der Nationalspieler Kongos (bisher 14 Länderspiele) tritt ein schweres Erbe an und wird die exzellente Torquote Edin Dzekos (111 Bundesligaspiele, 65 Tore) wohl nicht halten können. Ein vielversprechender Ersatz ist er aber auf jeden Fall und auch aus wirtschaftlicher Sicht scheint dem VfL ein guter Deal gelungen zu sein, denn eine Ablösesumme wird erst fällig, wenn Mbokani im kommenden Halbjahr spielerisch überzeugt und sich der VfL zum Kauf entschließt. Für den Stürmer selbst ist die Situation bereits jetzt klar: “Es gibt eine Kaufoption für mich. Ich werde alles tun, damit Wolfsburg die zieht. Ich will länger beim VfL bleiben und denke nun nicht mehr an meinen Ex-Verein Monaco, sondern nur noch an Wolfsburg.”
Für die Niedersachsen könnte er bereits im morgigen Heimspiel gegen Borussia Dortmund auf dem Rasen der Volkswagen-Arena stehen. In der für ihn recht knappen Vorbereitung stellte lediglich die Verständigung eine Hürde dar. Er selbst spricht ausschließlich Französisch, die Wolfsburger wiederum haben nach dem Abgang von Karim Ziani keinen einzigen französischsprachigen Spieler mehr in ihren Reihen. Aber die Sprache des Fußballs spricht bekanntlich jeder… 5 Euro ins Phrasenschwein…
Der 1.FC Köln, aktuell Tabellensechzehnter, rüstet sich für den anstehenden Abstiegskampf und verpflichtete im Winter unter anderem den 23-jährigen Defensiv-Allrounder Tomoaki Makino vom japanischen Erstligisten Sanfrecce Hiroshima. Den ablösefreien Transfer vermittelte der neue FC-Sportdirektor Volker Finke (Pressekonferenz zum Amtsantritt auf Youtube), der während seiner Trainerzeit bei den Urawa Red Diamonds 2009/10 wertvolle Kontakte in der J-League knüpfen konnte. Finkes Anstellung als Nachfolger des umstrittenen Kölner Managers Michael Meier wird schließlich auch den entscheidenden Ausschlag zum Wechsel gegeben haben, denn im Dezember stellte sich Makino bereits bei Ligakonkurrent 1899 Hoffenheim im Probetraining vor und war dort wohl ernsthaft im Gespräch.
Der Kommentar von Volker Finke: “Ich freue mich über den Transfer von Tomoaki Makino zum 1. FC Köln. Ich habe den Spieler in Japan über einen längeren Zeitraum beobachtet und bin von seinen Qualitäten überzeugt. Makino ist im Defensivbereich auf mehreren Positionen einsetzbar, außerdem kann er offensiv Akzente setzen.”
Makino besticht durch seine Flexibilität im Defensivbereich (er selbst sieht sich als Außenverteidiger) und seine Beidfüßigkeit , eine ausgesprochene Fairness (in 34 Ligaspielen sah er im vergangenen Jahr keine einzige Karte und wurde dafür mit dem Fair Play-Award der J-League ausgezeichnet), sowie einen erstaunlichen Zug zum Tor (4 Tore und 5 Vorlagen in der letzten Saison), mit einer Größe von 1,82 m strahlt er auch eine für einen Japaner außergewöhnliche Kopfballstärke aus. Bei seinem Ex-Klub galt er mit seinem jungen Alter bereits als wichtige Führungspersönlichkeit.
Kurzum: Köln sichert sich hier die Dienste eines absoluten Musterprofis. Wie immer bei solch “exotischen” Neueinkäufen bleibt jedoch die kritische Phase der Eingewöhnung zu bedenken. Fühlt er sich wohl in Deutschland? Findet er schnell ins Team? Kommt er mit dem Bundesliga-Fußball zurecht? Welche Perlen der japanische Fußball bereithält und wie man diese effektiv in ein deutsches Team integriert, zeigen in dieser Saison eindrucksvoll Borussia Dortmund und Shinji Kagawa.
Äußerst engagiert und fleißig präsentierte er sich jedenfalls gleich bei seiner Ankunft. So steht für ihn der Deutsch-Unterricht zur Zeit ganz oben auf dem Trainingsplan. In drei Monaten soll die alltägliche Verständigung auf und neben dem Platz dann bereits ohne Dolmetscher klappen, so sein Ziel. Da hat er dem ein oder anderen Bundesliga-Legionär doch schonmal einiges voraus.
Der Nationalspieler (bisher vier A-Länderspiele, außerdem lief er neunmal für die U20-Auswahl auf und nahm an der U20-WM 2007 in Kanada teil) stand ursprünglich im Aufgebot seines Landes für die momentan stattfindende Asienmeisterschaft in Katar, eine Sprunggelenkverletzung verhinderte jedoch seine Teilnahme in letzter Sekunde. So beginnt Makino in Köln erst jetzt wieder langsam mit dem Aufbautraining. Im Februar soll er dem FC dann auch auf dem Platz zur Verfügung stehen.
Nach all den teuren und zum Teil missglückten Südamerika-Transfers der vergangenen Jahre (Wellington, Maicosuel, Franco Zuculini, Fabrício) hat 1899 Hoffenheim sich noch immer nicht aufgegeben und versucht sich erneut an einem hoffnungsvollen Wintertransfer.
Für 4 Millionen Euro Ablöse holt man den 19-jährigen Roberto Firmino (geboren mit dem klangvollen Namen Roberto Firmino Barbosa de Oliveira) von Figueirense FC aus der zweiten brasilianischen Liga. Er kommt mit der Empfehlung von 38 Ligaspielen im Jahr 2010, acht Toren und der Auszeichnung zum besten Spieler der Saison zu den Kraichgauern und soll dort mit langfristiger Perspektive (er wurde mit einem Vertrag bis zum Sommer 2015 ausgestattet) den im vergangenen Sommer an Rubin Kasan verkauften Carlos Eduardo als Spielmacher im zentralen offensiven Mittelfeld vergessen machen.
„Wir freuen uns sehr, mit einem Toptalent aus Brasilien unseren Kader verstärken zu können, an dem auch zahlreiche internationale Clubs Interesse zeigten. Wir werden ihm die notwendige Zeit geben, sich bei uns einzugewöhnen. Seine Qualitäten als offensiver Mittelfeldspieler hat er [...] in Brasilien bereits unter Beweis gestellt”, meint Hoffenheims Manager Ernst Tanner.
Ein Zusammenschnitt diverser Spielszenen zeigt seine zweifellos überdurchschnittlichen technischen Fähigkeiten, speziell eine beeindruckende Ballbehandlung, ein gutes Auge für den Mitspieler und ein für einen südamerikanischen Dribbelkünstler überraschend ansehnliches Kopfballspiel…
Hoffenheim ist und bleibt für mich jedoch in Sachen Transfers eine absolute Wundertüte. Jetzt geht man mit Firmino trotz tiefroter wirtschaftlicher Zahlen wieder ein 4-Millionen-Risiko ein. Talent ist da, aber junge Südamerikaner in der Bundesliga, das klappt bekanntlich in der Mehrzahl der Fälle nicht. Warum versucht es das gebrannte Kind Hoffenheim jetzt erneut? Ok, vielleicht zahlt es sich aus (wie bei Carlos Eduardo und Luiz Gustavo), vielleicht aber zum wiederholten Male nicht.
Ich wunder mich jedenfalls, dass der TSG nicht so langsam die Experimentierfreude ausgeht. Und die vier Millionen Euro… aus externer Sicht erscheint der Kaufpreis, wie so oft bei den Hoffenheimern, dann doch etwas zu hoch…
Nach der ausführlichen Auflistung der Abgänge kommen wir nun zur alljährlichen Vorstellung der neuen Gesichter der Bundesliga. Den Anfang macht der in der Hinrunde enttäuschende Tabellenvierzehnte aus Bremen mit einem Wechsel in der Sturmspitze. Werders Ersatz für den in der Winterpause zu Besiktas Istanbul abgewanderten Hugo Almeida…
… hört auf den Namen Denni Avdic
… ist Schwede mit bosnischer Herkunft
… 22 Jahre alt
… 1,90 m groß
… Mittelstürmer
… kommt vom schwedischen Erstligisten IF Elfsborg
… erzielte in der vergangenen Saison 22 Tore in 30 Pflichtspielen und gab 4 Vorlagen
… war den Bremern 2,2 Millionen Euro Ablöse wert
… und kommt mit der Empfehlung von stolzen 52 Juniorenländerspielen und einem ersten Auftritt für die A-Nationalmannschaft von Schweden
Denni Avdic zum Wechsel: „Die ersten Tage waren zwar schon recht anstrengend, aber ich bin überglücklich, bei Werder sein zu dürfen. [...] Am Ende war es eine einfache Entscheidung. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt und ich glaube, dass meine Art zu spielen hierher passt.”
Dank des frühen Transferabschlusses zum Jahreswechsel konnte er die gesamte zweiwöchige Vorbereitungszeit im Januar mit der Mannschaft absolvieren und könnte somit beim heutigen Rückrundenstart gegen Hoffenheim bereits auf dem Platz stehen. Die Erwartungen der Fans sind extrem hoch, Almeida wird als bester Bremer Torjäger der Hinrunde (9 Tore in 13 Ligaspielen) jedoch nicht so ohne weiteres zu ersetzen sein. Von der Statur (groß, wuchtig) und Spielweise (kopfballstark im Sturmzentrum, ideale Anspielstation zum Halten von Bällen) ähneln sich die beiden durchaus, in Sachen Erfahrung und Abgeklärtheit vor dem Tor hat Avdic aber natürlich noch einiges aufzuholen.
Die Werder-Verantwortlichen ordnen den Transfer daher etwas vorsichtiger ein.
Trainer Thomas Schaaf: „Man muss ihm natürlich Zeit geben, denn er wird sich an das Tempo und unsere Spielweise zunächst noch gewöhnen müssen.” Manager Klaus Allofs stellt klar, dass „wir Denni nicht als Retter geholt haben, der uns alleine aus der schwierigen Situation schießt. Er soll seine Fähigkeiten einbringen und sich bei uns weiterentwickeln.”
Zum Abschluss hier noch ein paar Spielszenen…
Das Potenzial ist da, ich glaub an Avdic und wünsche Werder einfach mal wieder etwas mehr Wechselglück nach den vielen wenig erfolgreichen Offensivtransfers der jüngeren Vergangenheit (Sanogo, Rosenberg, Moreno, Wagner, Arnautovic, Kroos).
Endlich wieder Bundesliga ![]()
Wobei sich die Wartezeit für den geneigten Fan in diesem Jahr dank der stark verkürzten Winterpause dann doch wieder in Grenzen hielt.
Reiner Calmunds calli.tv begleitet uns natürlich auch wieder durch die Bundesliga-Rückrunde. Los gehts heute mit kicker-Redakteur Frank Lussem als Gast und einem ausführlicheren Liga-Check.
Themen gibt es reichlich: die Meister- und die Abstiegsfrage, die Überraschungsteams Mainz und Hannover, was treiben Lukas Podolski und der 1.FC Köln, der Torwartwechsel beim FC Bayern, schafft Michael Ballack noch ein Comeback…?
Was für ein Fundstück, genial, ich freu mich
Auf Youtube findet sich eine original ZDF-Aufzeichnung (Kommentator Bela Rethy, Hallensprecher Waldemar Hartmann) vom Finalspiel des DFB-Hallenmasters 1997 (als “DFB-Hallen-Pokal” von 1987 bis 2001 zentral veranstaltet, Rekordmeister war Borussia Dortmund mit vier Titeln ). Der Gastgeber FC Bayern München empfing in diesem Winter den späteren Zweitligameister 1.FC Kaiserslautern und unterlag mit 1:3, nach Toren von Marcel Witeczek (1:0), Marco Reich (1:1), Thomas Riedl (1:2) und Martin Wagner (1:3).
Wir sehen Mario Basler, Alexander Zickler, fast vergessene Charaktere wie Markus Münch, Marco Reich und Harry Koch, sowie an den Banden die beiden Kult-Trainer Giovanni Trapattoni und Otto Rehagel.
Ein Schatz für jeden Fußball-Nostalgiker…






