Wie in den vergangenen Jahren stelle ich auch zum Abschluss der Saison 2012/2013 wieder eine umfassende Abschlussbetrachtung der unlängst zu Ende gegangenen Bundesligaspielzeit zusammen.
Und wie könnte es anders sein: Pünktlich zum 50. Jubiläum der Bundesliga ist Rekordmeister Bayern München nach zwei Dortmunder Meisterschaften wieder zurück an der Spitze des deutschen Profifußballs. Die Münchner dominierten die Liga wie lange kein anderes Team und sind ohne wenn und aber der hochverdiente Champion.
Besonders beeindruckend ist die schier endlose Liste der vom FCB in diesem Jahr neu aufgestellten Rekorde, eine Bundesligasaison für die Ewigkeit:
- ● Der FC Bayern München fuhr mit Abstand die meisten Siege ein (29, den vorherigen Rekordwert 25 hielten die Münchner aus dem Jahr 1972/73 und der BVB aus der Saison 2010/11),
- ● holte die meisten Punkte (91, Dortmunds Rekordsaison 2011/12 mit 81 Punkten wurde also nochmal um zehn Zähler übertroffen),
- ● kassierte nur eine einzige Niederlage
- ● sowie die wenigsten Gegentore (13),
- ● ist der früheste Meister aller Zeiten (gefeiert werden konnte bereits Anfang April am 28. Spieltag),
- ● führte an allen 34 Spieltagen die Bundesliga-Tabelle an,
- ● hat einen unfassbaren 25-Punkte-Vorsprung auf den Vizemeister Dortmund (der Rekord lag bei 16 Punkten Abstand im Münchner Meisterjahr 2002/03),
- ● stellte mit 8 Siegen einen neuen Startrekord auf,
- ● schaffte als erste Mannschaft überhaupt eine Siegesserie von 11 Spielen in Folge
- ● und wurde betreut vom ältesten Meistertrainer der Geschichte, dem 67-jährigen Jupp Henyckes, der sich nun aller Voraussicht nach in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden wird.
- ● Der Sünder der Liga ist der Stuttgarter Vedad Ibisevic mit 10 Gelben und einer Roten Karte in 30 Spielen
- ● Sehr beeindruckend: Die Weiße Weste geht wie schon im Vorjahr an FCB-Torwart Manuel Neuer, er spielte 18 mal zu Null, es folgen Oliver Baumann (Freiburg) mit 13 und Bernd Leno (Leverkusen) mit 11 Spielen ohne Gegentreffer
- ● Top-Joker ist Dani Schahin von Fortuna Düsseldorf mit 4 Treffern nach 15 Einwechslungen
- ● Die Eigentorkönige stammen vom 1.FSV Mainz 05. Heinz Müller, Adam Szalai, Christian Wetklo und Bo Svensson bescherten dem Klub den unrühmlichen Titel mit 4 Treffern in den eigenen Kasten
- ● Das Küken der Bundesligasaison ist Mittelfeldspieler Marc Stendera von Eintracht Frankfurt. Im zarten Alter von 17 Jahren, 3 Monaten und 27 Tagen feierte er am 06.04.2013 gegen den FC Bayern sein Bundesligadebüt
- ● Die Dauerbrenner der Liga sind fünf Torhüter: Baumann (Freiburg), Zieler (Hannover), Ulreich (Stuttgart), Benaglio (Wolfsburg) und Mielitz (Bremen) fehlten keine einzige Spielminute, fleißigster Feldspieler ist Heiko Westermann vom HSV mit 27 verpassten Minuten
Nur einen einzigen Statistikwert kann der FC Bayern den Dortmundern auch in diesem Jahr nicht streitig machen. Die Borussia hält auch 2012/13 mit 80.482 Gästen pro Spiel erneut den höchsten Zuschauerschnitt Europas. Insgesamt kamen 1.368.195 Zuschauer in den Signal-Iduna Park, nur München (1.207.000, im Durchschnitt 71.000) und Schalke (1.039.912, im Durchschnitt 61.171) knackten ebenfalls die Millionenmarke.
Hier mal ein paar Bilder von der Übergabe der Meisterschale und der Feier auf dem Münchner Rathausbalkon, auch die obligatorische Bierdusche kommt selbstverständlich nicht zu kurz…
Abschlusstabelle
1 ~ FC Bayern München ~ 91 Pkt. ~ Champions League
2 ~ Borussia Dortmund ~ 66 Pkt. ~ Champions League
3 ~ Bayer Leverkusen ~ 65 Pkt. ~ Champions League
4 ~ FC Schalke 04 ~ 55 Pkt. ~ Champions League Qualifikation
5 ~ SC Freiburg ~ 51 Pkt. ~ Europa League
6 ~ Eintracht Frankfurt ~ 51 Pkt. ~ Europa League
7 ~ Hamburger SV ~ 48 Pkt.
8 ~ Borussia Mönchengladbach ~ 47 Pkt.
9 ~ Hannover 96 ~ 45 Pkt.
10 ~ 1. FC Nürnberg ~ 44 Pkt.
11 ~ VfL Wolfsburg ~ 43 Pkt.
12 ~ VfB Stuttgart ~ 43 Pkt.
13 ~ 1. FSV Mainz 05 ~ 42 Pkt.
14 ~ SV Werder Bremen ~ 34 Pkt.
15 ~ FC Augsburg ~ 33 Pkt.
16 ~ 1899 Hoffenheim ~ 31 Pkt. ~ Relegation
17 ~ Fortuna Düsseldorf ~ 30 Pkt. ~ Abstieg
18 ~ SpVgg Greuther Fürth ~ 21 Pkt. ~ Abstieg
“Overachiever” sind ohne Frage der SC Freiburg und Eintracht Frankfurt auf den Rängen 5 und 6. Sie verwiesen den HSV, Mönchengladbach, Hannover und Co. überraschend auf die Plätze und vertreten die Bundesliga im kommenden Jahr in der Europa League. Freiburg war im Vorjahr Bundesligazwölfter und spielte eine erfrischende und beständige Saison. Die Frankfurter Eintracht kickte im letzten Jahr noch in Liga 2 und war bis ins Frühjahr 2013 sogar auf Champions League Kurs. Beide Mannschaften stehen überraschend, aber verdient dort oben, eine Wiederholung in der kommenden Spielzeit dürfte aber sicherlich schwer werden.
Die “Underperformer” des Jahres sind etwas schwerer auszumachen. Enttäuscht haben sicherlich Hoffenheim und Bremen, die ihre Geheimtippqualitäten völlig verspielten und sich über weite Teile der Saison im unteren Tabellendrittel aufhielten. Gladbach und Hannover konnten sich auch durch die Doppelbelastung mit europäischen Auftritten nicht stabilisieren und verloren ihre Europapokalplätze des Vorjahres.
Torschützenliste
1. Stefan Kießling (Bayer 04 Leverkusen) mit 25 Toren in 34 Spielen
2. Robert Lewandowski (Borussia Dortmund) mit 24 Toren in 31 Spielen
3. Alexander Meier (Eintracht Frankfurt) mit 16 Toren in 31 Spielen
Scorerliste
1. Stefan Kießling (Bayer 04 Leverkusen) mit 25 Toren und 7 Vorlagen
2. Robert Lewandowski (Borussia Dortmund) mit 24 Toren und 5 Vorlagen
3. Franck Ribery (FC Bayern München) mit 10 Toren und 14 Vorlagen
3. Thomas Müller (FC Bayern München) mit 13 Toren und 11 Vorlagen
Sonstiges
Jetzt noch die Finalspiele in Champions League und DFB-Pokal und dann endlich ab in die Sommerpause? Für die Bundesligaspieler mag der Plan so lauten, dem interessierten Fan wird aber auch in den vermeintlichen Ruhemonaten Mai, Juni und Juli noch so einiges geboten.
23. bis 28. Mai ~ Bundesliga-Relegation
25. Mai ~ Champions League Finale Borussia Dortmund gegen FC Bayern München
29. Mai ~ Länderspiel Ecuador gegen Deutschland
1. Juni ~ DFB-Pokal Finale FC Bayern München gegen den VfB Stuttgart
2. Juni ~ Länderspiel USA gegen Deutschland
5. bis 18. Juni ~ U-21-Europameisterschaft in Israel
15. bis 30. Juni ~ Confederations Cup in Brasilien
21. Juni bis 13. Juli ~ U-20-Weltmeisterschaft in der Türkei (ohne deutsches Team)
27. Juni ~ Supercup Deutschland Meister gegen Pokalsieger (oder Vizemeister)
10. bis 28. Juli ~ Fußball-Europameisterschaft der Frauen in Schweden
19. Juli ~ 1. Spieltag der 2. Bundesliga
20. Juli bis 8. August ~ U-19-Europameisterschaft in Litauen
9. August ~ 1. Spieltag der Bundesliga
Obendrein erwarten uns noch die Vorbereitung mit allerlei Testspielen der Bundesligisten und der obligatorische Transfertrubel. Es wird also definitiv nicht langweilig
Unglaublich, aber wahr, die Bundesliga dominiert im Jahr 2013 den europäischen Vereinsfußball. Erstmals in der Geschichte erwartet uns ein deutsch-deutsches Champions League Finale. Am 25. Mai begegnen sich im legendären Londoner Wembley-Stadion der FC Bayern München und Borussia Dortmund zum absoluten Gipfeltreffen (das ZDF überträgt ab 20:45 im FreeTV).
Nach dem so schmerzhaft verlorenen Finale dahoam im vergangenen Sommer war die Zielstellung der Münchner wohl jedem Fußballinteressierten im In- und Ausland klar. Im Jahr nach der Schmach soll der Titel endlich nach Bayern wandern. Entsprechend favorisiert und motiviert ging der FCB auch in die europäische Saison und die Playoff-Spiele gegen den FC Arsenal, Juventus Turin und den FC Barcelona. Spielerisch hätte wohl keine andere Mannschaft des Kontinents in diesem Jahr den Titel mehr verdient als der FCB. Doch der Fußball funktioniert bekanntlich anders.
Mit Borussia Dortmund steht den Münchnern der ärgste Bundesliga der vergangenen Jahre gegenüber. Als deutscher Doppelmeister 2011/2012 hat sich der BVB national und international durchaus Respekt verschafft. Die europäische Saison stand beim BVB jedoch zunächst unter anderen Vorzeichen. Im August 2012 stöhnte man über die vermeintliche “Todesgruppe” mit den drei Meistern Manchester City, Real Madrid und Ajax Amsterdam. Doch diese überstanden die Borussen zur Überraschung Europas ungeschlagen als Gruppenerster. Auch Schachtar Donezk, der FC Malaga und erneut Real Madrid konnten den BVB in den darauf folgenden Runden nicht aufhalten. Und so stehen die Schwarz-Gelben nun erstmals seit ihrem Titelgewinn 1997 wieder im Endspiel.
Im folgenden Video ist die “Road to Wembley” des BVB in diesem traumhaften Jahr 2012/13 noch einmal stimmungsvoll nachgezeichnet. Vier Tage vor dem großen Finale genau das richtige…
Aus Frust über eine strittige Schiedsrichterentscheidung zerreißt Nicki Bille Nielsen, Stürmer beim norwegischen Rekordmeister Rosenborg Trondheim, in typischer Hulk-Manier sein Trikot und macht seinem Ärger durch lautes Fluchen Luft. Wer genau hinsieht, kann auch einen grünlichen Wutschimmer im Gesicht erkennen…
Aber im Ernst. Die Unparteiischen übersehen hier das klare Halten des Torhüters und bewerten die Situation vollkommen falsch. Denn statt auf den Elfmeterpunkt zu zeigen, sieht der frühere dänische Juniorennationalspieler Nielsen für sein Reklamieren die zweite Gelbe Karte im Spiel und muss vom Platz. Da kann man schon mal ausrasten.
Europa League 2012/13 Finale
Benfica Lissabon – FC Chelsea 1:2
0:1 Fernando Torres (60., Rechtsschuss, Mata)
1:1 Oscar Cardozo (68., Handelfmeter, Linksschuss)
1:2 Branislav Ivanovic (90. + 3, Kopfball, Mata)
vor knapp 46.000 Zuschauern in der Amsterdam-Arena
Aufstellung Benfica: Artur Moraes – André Almeida, Garay (78. Jardel), Luisao, Melgarejo (66. John) – Matic – Perez, Rodrigo (66. Lima) – Gaitan, Cardozo, Salvio
Aufstellung Chelsea: P. Cech – Azpilicueta, Ivanovic, G. Cahill, A. Cole – Lampard, David Luiz – Ramires, Mata, Oscar – Fernando Torres
Die Zusammenfassung des Spiels…
Außerdem auch hier (Sky-Bericht), hier und hier zu sehen
Chelsea gewinnt durch ein Tor in der Nachspielzeit mal wieder glücklich ein Europapokalfinale gegen ineffektive Portugiesen, die eigentlich das Spiel dominierten, über 90 Minuten aber einfach viel zu viele Großchancen liegen ließen. Auch das ist Fußball. Glückwunsch also an den FC Chelsea, der nun zeitgleich amtierender Champions und Europa League Sieger ist.
Ja, er spielt und trifft tatsächlich noch immer, die mittlerweile 35-jährige Fußballlegende Thierry Henry. Am Wochenende traf er mal wieder per sehenswertem Fallrückzieher für seine New York Red Bulls in der MLS gegen Montreal Impact…
Und auch die Torquote stimmt nachwievor. In der US-Profiliga erzielte französische Rekordtorschütze für New York in 73 Pflichtspielen bisher 36 Treffer und legte 19 Mal für Mitspieler auf. Und er hat noch lange nicht genug. Ein weiteres Jahr wird Henry als Aktiver auf jeden Fall noch dranhängen, sein Vertrag bei den Red Bulls läuft noch bis zum 31.12.2014.
In hochemotionaler Art und Weise hat sich Claus-Dieter, genannt Pele, Wollitz nach seiner Entlassung als Trainer des VfL Osnabrück am vergangenen Wochenende vor die Fans gestellt und mal all seiner Wut über die Geschehnisse beim niedersächsischen Drittligisten mal freien Lauf gelassen.
Herausgekommen ist eine typische Wollitz-Wutrede, impulsiv und authentisch, so wie man ihn eben kennt…
Wenn ein Treffer in unserer Sammlung nun wirklich die Auszeichnung Traumtor verdient hat, dann ist es dieser hier! Der 35-jährige Stürmer Walter Calderon trifft für seinen Klub Deportivo Quito im ecuadorianischen Hauptstadtderby gegen LDU Quito in unnachahmlicher Art und Weise.
Er nimmt den Ball mit dem Rücken zum Tor und umringt von vier Gegenspielern im Strafraum an, spielt ihn in die Höhe, geht zu Boden und zieht ihn auf dem Rasen liegend per Direktabnahme in die lange Torecke.
Wow, ganz große Fußballakrobatik…
Am vergangenen Wochenende erzielte Mario Balotelli den entscheidenden Treffer beim wichtigen 1:0 Heimsieg seines AC Mailand im Ligaspiel gegen den Torino FC (Milan musste seinen dritten Platz hinter Juve und Neapel verteidigen). Der italienische Nationalspieler hatte sich allerdings mal wieder nicht so ganz im Griff, zog sich in der Jubeleuphorie das Trikot vom Leib und sah dafür die obligatorische Gelbe Karte.
Die zeigte ihm allerdings nicht wie sonst üblich der Schiedsrichter, sondern überraschenderweise AC-Mitspieler Sulley Muntari, der den Karton zuvor dem Unparteiischen entwendet hatte. Alle Beteiligten nahmen es allerdings mit einem Lächeln; der Kartendieb wurde nicht bestraft…
Ungeachtet der einnehmenden deutschen Erfolge in der Champions League wurden in der vergangenen Woche auch die Halbfinals der Europa League ausgespielt. Benfica Lissabon setzte sich nach einem 0:1 in der Vorwoche mit 3:1 gegen Fenerbahce Istanbul durch, der FC Chelsea besiegte das Überraschungsteam FC Basel mit 2:1 und setzte an der heimischen Stamford Bridge nun noch ein 3:1 drauf.
Und bei genau diesem Gastspiel des FC Basel in London konnte man in der Schlussphase eine kuriose Spielverzögerung beobachten. Der Schweizer Meister wollte die letzten Möglichkeiten konzentriert und motiviert ausspielen, um doch noch den Anschluss zu schaffen oder sich zumindest erhobenen Hauptes aus dem Wettbewerb zu verabschieden.
Entsprechend viel Zug war also auch in der 80. Minute noch im Spiel, als die Baseler einen Eckball treten wollten. Eine schnelle Ausführung verzögerten jedoch, sehr zum Ärger des Schützen, die an der Seitenlinie vorbei marschierenden Londoner Ordner. Absicht oder nicht?
Da läuft einer nach dem anderen fröhlich durch die Laufbahn und stört sich nicht an dem gestikulierenden Baselspieler nebenan
Und wieder ein Traumtor per Scorpion Kick. Diesmal aus der dritten türkischen Liga, in perfekter Ausführung erzielt von Mittelfeldspieler Huseyin Akoglu für seinen Klub Nazilli Belediyespor aus dem Südwesten Anatoliens.
Flanke, Hacke, Tor. Immer wieder toll…






